Meine Gespräche mit der SPD

27. Februar 2016

Ich habe nach meiner Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden des LV NRW der Piratenpartei, mal ganz naiv Politiker und Presse für ein Treffen angeschrieben. Zu den Presseterminen schreib ich in einem gesonderten Blogpost etwas – in Diesem hier möchte ich auf die Politiker zur Sprache kommen.

EMails habe ich an alle Parteien geschrieben, jedoch haben nur Politiker der SPD geantwortet.

Treffen #1 – Stefan Schwartze (MdB | SPD)

Treffen #2 – Jürgen Müller (Landrat Kreis Herford | SPD)

Treffen #3 – Christian Dahm (MdL | SPD)

Treffen #4 – Christina Kampmann (Ministerin | SPD)

Treffen #1 – Stefan Schwartze (MdB | SPD)

stefan_schwartze

Stefan Schwartze ist durch ein Direktmandat für den Wahlkreis 133 (Herford), 2013 erneut in den Bundestag eingezogen.

Ich bin im Wahlkampf 2013 gegen ihn angetreten – wir haben seit diesem Zeitpunkt kaum Kontakt gehabt. Es ergab sich irgendwie nie.

 

So wurde ich in die Kreis Geschäftsstelle der SPD eingeladen und sehr freundlich direkt von Herrn Schwartze begrüßt.

Da ich vorher noch nie in der Geschäftsstelle war, zeigte Herr Schwartze mir die Räumlichkeiten und stellte mich allen Anwesenden vor.

Anfangs schnitt Herr Schwartze den Sturz der Piratenpartei in den Umfragen an und wir sprachen über die mediale Erscheinung. – Natürlich wollte ich hören, wie er uns, die Piratenpartei, wahrnimmt – ich brauch hier nicht gegenargumentieren, Wahrnehmung und Ansichten lassen sich nicht absprechen, aus dem Zuhören kann man nur lernen 🙂

So sprachen wir über kommunale Beteiligung und Aktivität seitens der Piraten. Er merkte an, dass wir Kommunal nicht sichtbar in Erscheinung treten, dass wir, obwohl es ziemlich leicht sei, kommunal auch nur ein Minimum an Presse zu erzeugen, wir dies nicht nutzen würden – ja, damit hat er vollkommen recht. Kritik welche ich mir auf den Rücken schnallen muss, ich müsste mehr tun, um den vKV zur Aktivität zu animieren.

 

Wir sprachen wir über SocialMedia – wie es derzeit zur Stimmungsmache genutzt wird, dass der differenzierte Gedanke darunter leidet, dass es nur noch eine Aussprache der Extreme gibt.

So berichtete Herr Schwartze darüber, wie er schon selber Opfer von SocialMedia Kampagnen wurde. So wurden einmal Fakten ausgelassen, welche bei einer Zielgruppe und deren Stimmung für Spekulationen und somit zu einem verzerrten Bild geführt hätten.

Interessant war es auch, die Bilder von einigen Gewerkschaften zu bekommen, welche Kommunikation nach außen und innen gepflegt wird und wie sehr sich Diese häufig voneinander unterscheidet.

 

Wir kamen auf die Querfront zur Sprache, diskutierten über die unterschiedlichen Fassetten und warum, und das ist das wichtigste, diese Menschen so handeln wie sie handeln und wie die Politik sie wieder zurückgewinnen kann (und ob sie das überhaupt sollte oder will).

Im Nachhinein, schon längst wieder Zuhause, merkte ich, dass ich mit meinem sozialen Umfeld, viel zu häufig über diese Leute spreche, als wären sie Aussätzige der Gesellschaft, eine Insel getrennt vom Festland. Ihre Gedanken sind es, und dennoch Arbeiten wir mit ihnen, im selben Betrieb im selben Büro – sie sind also auch, auch wenn ich die Gedanken und das Handeln von jenen ablehne, Teil der Gesellschaft.

Wahrlich keine neue Erkenntnis, aber mir wurde es nochmal in die Gedanken gerufen.

Ich will auf keinen Fall, dass wir Piraten ggü. diesem Teil der Gesellschaft nachgeben!

 

 

Am Ende

Es war ein sehr ruhiges und entspanntes Gespräch.

Ich verabschiedete mich mit den Worten „Viel Spaß noch“ – der Blick von Herrn Schwartze hielt kurz inne, und er sagte lachend „ja, das muss es machen“.

 

 

 

Treffen #2 –Jürgen Müller (Landrat Kreis Herford | SPD)

juergen_mueller

Jürgen Müller ist im Sommer 2015 zum Landrat des Kreis Herford gewählt worden. Zuvor war er Dezernat – und vor einigen Jahren, mein vorgesetzter 🙂

Wir kannten uns, wenn auch nur flüchtig.

Das Büro von Herrn Müller war sehr groß und geräumig und wir unterhielten uns erst einmal über meinen privaten Weg, welchen ich nach dem Kreis Herford eingeschlagen hatte.

 

Wir sprachen über Situationen und Anekdoten aus dem damaligen Arbeitsleben, und ich merkte erneut, dass meine damalige Arbeit, politischer war, als ich sie damals wahrgenommen habe.

Damals, kurz bevor ich den Kreis Herford verließ, wurde die Entscheidung getroffen, um der wachsenden Anzahl an Schüler_innen an einem Berufskolleg gerecht zu werden, eine alte leerstehende Hauptschule von der Stadt Herford zu mieten, zu sanieren und als Erweiterung des Berufskollegs zu nutzen.

Damals hielt sich innerhalb der Kreisverwaltung die Aussage, dass es günstiger wäre, dem Hauptgebäude des Berufskollegs einen Anbau zu geben, als ein veraltetes Gebäude zusätzlich zu mieten und zu sanieren. Man hätte nur so entschieden, so wurde damals kolportiert, weil die Bevölkerung (auch hier, schon wieder so eine Abgrenzung) nicht verstehen würde, warum man neu baut, wenn es anderes wo, viel Leerstand gibt.

Herr Müller lachte, er sagte, dass es bei einer Laufzeit von 10 oder mehr Jahren vielleicht zu höheren Kosten gekommen wäre, aber man schaute sich die Geburtenzahlen der in Frage kommenden Jahrgänge an und prognostizierte, dass man mit einer Laufzeit von fünf Jahren ausreichend abgedeckt sei.

Und die aktuelle Situation gibt ihm recht – die Schüler_innen sind in Zahlen rückläufig und das Schulgebäude wird bald wieder leer stehen – oder ein anderer Verwendungszweck zugeführt werden – hier liegt klar der Blick klar auf der Unterbringung von Geflüchteten.

 

Auch über den Breitbandausbau im Kreis Herford haben wir gesprochen – mit welchen Mitteln für die Provider Anreize geschaffen werden könnten, die sehr ländlichen Regionen wie Rödinghausen auszubauen. Und wie wichtig eine gute Breitbandversorgung für Firmenstandorte sei – hier seien, so sagte Herr Müller, die Piraten den anderen Parteien, von der Forderung her, viele Jahre voraus gewesen und hätten die Zeichen der Zeit erkannt.

Als wir über die wirtschaftlichen Perspektiven des Kreis Herford sprachen, kamen wir dazu, wie sehr das Kreisgebiet den Zuzug braucht. Woher die Menschen nun kommen oder welche Umstände sie dazu bewege, spielte erstmal keine Rolle.

Wir sprachen über einige Statistiken, Perspektiven und wie man die Wirtschaft aber vor allem die Gesellschaft im Kreis Herford davon überzeugen kann, dass Zugezogene dem Kreis Herford, Wirtschaftlich, Kulturell und Gesellschaftlich weiterbringen/weiterentwickeln können.

 

Am Ende

Auch hier ein interessantes Gespräch. Ich merkte, dass die Kommunale Ebene viel konkrete Probleme und viel konkretere Lösungen sucht.

Auch an Herrn Müller die Frage: Macht es Spaß „Noch ja,“ sagte er mit einem Lachen „und ich hoffe es bleibt so, auch wenn die Tage sehr lang und stressig wurden.“

 

 

Treffen #3 – Christian Dahm (MdL | SPD)

christian_dahm

Christian Dahm kommt so wie Stefan Schwartze und ich aus Vlotho und wurde 2010 in den Landtag NRW als Direktkandidat gewählt.

Beruflich war/ist er Polizist und ist kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Wir kannten uns bis zu diesem Treffen noch nicht und haben vorher noch nie ein Wort miteinander gewechselt – auch hier – es hat sich irgendwie nicht ergeben.

 

Das Treffen fand, wie bei Herrn Schwartze in der Kreisgeschäftsstelle der SPD statt. Er war darüber informiert, dass ich mich schon mit Herrn Schwartze getroffen hatte und so eine Führung durch die Räumlichkeiten nicht mehr notwendig war. Er war im Allgemeinen gut über mich informiert – hat seine Hausaufgaben gemacht 😉 .

Unser Gespräch fand im Beisein des Kreisgeschäftsführers und dem Vorsitzenden der Jusos (Kreis Herford) statt.

Der Ton und die Geschwindigkeit dieser Unterhaltung unterscheid sich komplett von den Vorherigen.

Er fing das Gespräch mit der Frage an, wie ich mir den Weg meiner politischen Karriere denn so vorstellen würde. Ob ich ein Mandat auf Landes oder Bundesebene anstreben würde.

Diese Entscheidung habe ich noch nicht gefällt, sagte ich ihm, ich könnte mir sogar vorstellen, gänzlich ohne Mandat, nur ein Amt in der Partei zu bekleiden, um Menschen, welche ich für politische fähiger halte, dabei zu unterstützen, ihr Mandat besser auszufüllen.

Der „Klassenkampf“ bei uns in der Partei sei vorbei.

Ohne weiter darauf einzugehen, kam die nächste Frage: „Wie stehen sie zu den einzelnen Personen der Landtagsfraktion?“

So langsam ahnte ich, aus welcher Richtung der Wind in diesem Gespräch wehen wird.

„Ich verstehe mich mit allen Abgeordneten sehr gut. Natürlich kenne ich einige besser als andere, aber ich kann persönlich nichts Schlechtes über die Abgeordneten sagen.“

 

Nun fing es an thematisch politische zu werden (sehr schön). Wir sprachen darüber, dass er den Eindruck habe, dass die Piratenfraktion kontra Polizei und Rechtsstaat wäre, aber auch das wir den Anspruch an Transparenz nicht im Geringsten nachkommen würde.

Ich brachte Beispiele, in denen die Arbeit der Polizei sehr wohl kritisiert werden muss und die Positionen der Piraten nicht sei, die Polizei abzuschaffen, sondern die Verfehlungen müssen lückenlos und nachvollziehbar (transparent) aufgeklärt werden, damit das Vertrauen der Menschen in die Polizei wieder gestärkt wird.

Denn in Zeiten, in denen die Menschen immer mehr das Vertrauen zum Staat verlieren (siehe, steigende Umfragewerte der Rechtspopulisten und die Gründungen von immer mehr Bürgerwehren), braucht es viele Maßnahmen, um das Vertrauen in die Polizei aber auch der Politik zu stärken – und dazu zählt kein Marketing!

Wir schwenkten kurz zur Transparenzforderung der Piraten. Herr Dahm kritisierte, dass nicht jeder Abgeordneter von den 20 Piraten eine eigene Webseite habe – Unterbereiche auf der Homepage der Fraktion lasse er nicht gelten. Er Kritisierte weiter, dass auch wir vom Landesvorstand nicht jeder mit eine Homepage vertreten wäre.

In einem politischen Vorstand einer Partei setzt er voraus, dass jedes Vorstandsmitglied es schaffen muss, sich mit seinen Überzeugungen und seinen Zielen der Öffentlichkeit zu zeigen – recht hat er.

Das ist sein Anspruch an Transparenz, diesem kann ich ihm nicht absprechen.

Weiter sagte er, dass er einige unserer politischen Forderungen für überholt und schon fast veraltet ansieht.

So könnte jeder Interessierte an alle relevanten Informationen durch das IfG (Informationsfreiheitsgesetz) kommen, er sehe dort keine weiteren Defizite.

Mit etwas Unverständnis entgegnete ich, dass er nicht wissen könnte welche Informationen für mich relevant sind. So bin ich der Meinung, dass es noch sehr viele Fragen gebe, welche der Staat nicht beantworten will. Die Plattform FragDenStaat hat ein neues Projekt mit dem Namen „VerklagDenStaat“ gestartet, denn der Staat will noch viel zu häufig nur über Richterliche Beschlüsse Daten und Informationen freigeben – Daten, welche durch die Steuerzahler finanziert wurden!

Ja, vieles was wir gefordert haben, zog seit 2006 so langsam in die Staatsverwaltung ein, aber damit sind unsere Forderungen noch lange nicht erfüllt – auch hat sich die Welt seit 2006 stark verändert, so auch die Möglichkeiten der Datenerhebung und Veröffentlichung – die Forderung von uns Piraten ist aktueller denn je.

Über die Brücke der Transparenz, kam ich wieder zurück zur Polizei und Geheimdiensten.

Ich als Bürger dieses Landes, habe nicht das Gefühl, dass unsere Polizei und unsere Geheimdienste transparent agieren (damit meine ich nicht Einsätze) – Fehltritte der Polizei werden häufig nicht lückenlos aufgeklärt. Innerhalb der Polizei gibt es ein Narrativ, dass diese unfehlbar wäre – statt eine Atmosphäre zu schaffen, um eine Fehler- und Debattenkultur zu unterstützen. Reformvorschläge und Entwicklung muss mehr von innen heraus geschehen und nicht von der Politik diktiert werden.

Die Geheimdienste agieren noch nicht einmal dem Kontrollgremien Transparent und ehrlich. Denn ich möchte nicht glauben, dass Politiker es gutheißen, dass Akten des NSU vernichtet wurden.

So wie eine Überwachungsaktion, gehört auch das Vernichten von Beweisen zu den Taten, zu denen ein Geheimdienst im parlamentarischen Kontrollgremium Rechenschaft abliefern müssen – und es muss sichtbare Konsequenzen bei Fehlverhalten geben.

 

Herr Dahm stimmte zu, und sagte, dass schwerwiegenden Verfehlungen seitens der Polizei, den gesamten Berufsstand in Verruf bringen und es so auch die Arbeit der Polizei immer schwieriger wird.

Einige Sätze haben wir auch noch über die Rigaer Straße 94 gewechselt.

 

Als nächstes VDS (Vorratsdatenspeicherung)…

Wir diskutierten sehr aktiv darüber, warum wir Piraten der Überzeugung sind, dass Vorratsdatenspeicherung eine unverhältnismäßige Überwachung ist.

Er brachte Beispiele, in denen wirklich Menschenleben gerettet werden konnte, und führte Hannover an.

Ich entgegnete, dass es in Paris schon mehrfach zu schlimmen Anschlägen kam und diese selbst durch eine über Jahre laufende Vorratsdatenspeicherung nicht verhindert werden konnten.

Wir brauchen bessere Polizeiliche Arbeit, Aufklärung und müssen das Geld, welches in Überwachung ausgegeben wird darin fließen lassen, dass Menschen eine Perspektive bekommen.

So sind viele Menschen aus Deutschland zu Terroristen in Syrien geworden, weil sie hier keine Perspektive habe – weil ihr leben hier für sie aussichtslos erschien.

(natürlich ist das eine einfache Sicht der Dinge – mehr erlaubte die Diskussionsgeschwindigkeit nicht)

 

Am Ende beugte sich Herr Dahm über den Tisch rüber und sagte:

„Herr Deutschkämer, verstehen sie doch, die Vorratsdatenspeicherung dient nur ihrem leiblichen Wohl und Schutz.“

 

„Herr Dahm, die Atomkraft sollte auch nur unserem Wohl dienen, auch von dieser ging eine Gefahr aus, welche man nicht spürte und wahrhaben wollte – bis es zu spät war …“

Er hielt kurz inne

„Ja, auch hier bin ich offen für neue Energieformen, wir müssen viel mehr in Windenergie investieren …“

 

„Herr Dahm, passt schon, sie müssen jetzt auch los und wir haben schon leicht überzogen.“

 

 

Am Ende

Wir verabschiedeten uns und ich ging total -unter Strom- zum Auto und musste erst einmal zur Ruhe kommen.

Die Diskussion hatte eine Geschwindigkeit und eine Tiefe wie ich es selten erlebt habe. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, nicht nur sprichwörtlich. Mein Körper war danach so voller Adrenalin, dass ich ein wenig am Zittern war. Ich musste besser als üblich mir über jeden Satz über jedes Wort nachdenken, Unschärfen in Programmatik und Aussagen würden sich rächen – denn andernfalls könnte das mich, den Vorstand, die Fraktion oder gar die Partei sehr schlecht dastehen lassen. Herr Dahm hat seine Hausaufgaben gemacht.

Ob ich die Diskussion „gewonnen“ habe, möchte ich nicht einschätzen, zumindest war ich aber ein „Gegenspieler“ 😉

 

 

Treffen #4 – Christina Kampmann (Ministerin | SPD)

christina_kampmann

Christina Kampmann zog mit einem Direktmandat, 2013 für den Wahlkreis Bielefeld – Gütersloh 2 in den Bundestag ein.

Sie thematisierte in ihrer Masterarbeit auch die Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung.

Zum Tag der offenen Tür im Reichstagsgebäude 2014 konnten wir etwas länger und ausführlicher über einige „piratige“ Themen sprechen.

Auch wenn Frau Kampmann Jahrgang 1980 ist, wurde sie im Oktober zur Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport im NRW Kabinett.

 

Zuerst die Anekdoten am Rande

Als ich beim Ministerium ankam, begab ich mir durch die erste Tür und bevor die zweite für mich geöffnet wurde, fragte mich der Pförtner, zu wem ich möchte –

„Zu Frau Kampmann.“

„Sie meinen Frau MINISTERIN Kampmann. Haben sie einen Termin?“

„Ja, zu Frau Ministerin Kampmann und ich habe einen Termin um 11Uhr.“

Mir wurde gesagt, ich solle mich in den 14. Stock begeben, dort klingen und dann warten.

Mein Deo war bestimmt gut, aber die Belastung von 14 Stockwerken Treppen wollte ich dann doch nicht austesten.

Im 14. Stock angekommen, stand ich vor einer Glastür, mehrere Kameras sollten darauf achten, dass kein Quadratmillimeter ungesehen bleibt – nach zweimaligem Klingeln wurde mir die Tür geöffnet und ich wurde gebeten, in einem kleinen Warteraum, mit einem sehr guten Blick auf den Rhein, Platz zu nehmen.

Wenige Augenblicke später, kam eine weitere Dame durch die gläserne Tür und sah, wie ich den Rhein bestaunte.

aussicht

Sie trat wenige Schritte an mich heran und eröffnete den Smalltalk mit der Frage, mit welcher Person ich mich denn auf dieser Etage treffen würde. Ließ im selben Satz auch fallen, wie toll der Rhein doch aussehen würde.

Etwas verdutzt sprach ich zuerst über den Rhein, dass ich von der Weser komme und das auch bei uns gerade Hochwasser sei. – Dabei musterte ich die Dame. Eine Frau zwischen 65 und 70 Jahren, welche in einer Gesellschaft großgeworden ist, in der man nie ungeschminkt aus dem Haus geht.

Erst am Schluss sagte ich ihr, dass ich mich mit Frau Kampmann treffen würde.

„Mit Frau MINISTERIN Kampmann?!“

„Ja, mit Frau Ministerin Kampmann.“

„Ich darf nur mit dem Staatssekretär vorliebnehmen, mit einer Ministerin habe ich mich noch nie getroffen. Darf ich fragen, über welches Thema sie mit ihr sprechen möchten?“

„Och, ich wird mich einfach so mit ihr treffen…“

(ich habe nicht gelogen ^^, ich bin nie mit einer Bitte, einer Forderung zu den Politikern gegangen, sondern mir ging es immer sehr darum Kontakte aufzubauen)

 

Die Dame fiel fast aus allen Wolken.

„Oh, also ein privater Termin?“

„Nicht so ganz … “

Als sie merkte, dass sie nicht viel mehr aus mir rauskriegen wird, stellte sie sich vor, dass sie eine Interessenvertreterin von XY wäre (ich habe es vergessen, eine Firma war es aber nicht).

Kurz darauf, kam ein Herr durch die gläserne Tür, begrüßte die Dame, begrüßte mich und sprach zu uns beiden. Merkte aber schnell, dass ich keine Assistenz der Dame sei, sondern von ihr getrennt hier bin.

Auch seine Frage an mich, mit wem ich mich denn hier treffen würde.

„Mit Frau Ministerin Kampmann.“

– jetzt fang ich schon selber damit an :/

Lange Zeit für Smalltalk blieb nicht, ich wurde in das Vorzimmer von Frau Kampmann geleitet, mir wurde die Jacke abgenommen und ich wurde von Frau Kampmann empfangen.

 

Das Gespräch

„Schön dich zu sehen.“

Frau Kampmann, Frau Ministerin Kampmann – alles egal, wir waren per du 🙂

 

Wir sprachen über den Wahlkampf 2013, darüber wie überrascht sie selber war, als sie hörte, man würde sie als  Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport haben wollen und auch etwas über die Piraten.

Die „Überwachungsbarbie“, wie sehr Unternehmen wie Microsoft und Samsung versuchen im Bildungsbereich Fuß zu fassen.

Es beunruhigt sie, dass Kinder immer mehr von Firmen überwacht werden und möglichst schon im Kinderzimmer Werbung für ein neues Produkt angeboten wird. Denn dann würde Kindeserziehung immer mehr von Firmen übernommen werden.

Die Situation unterscheidet sich aber nicht groß zu heute oder schon den 90ern.

Auch ich habe damals schon „Kinderstunde“ im TV geschaut, und wurde dort natürlich mit Werbung überschwemmt.

Wir müssen die Medien- und Technikkompetenz der Kinder fördern.

Ist es heute z.B. gut, einem Kind/Jugendlichem das Smartphone im Unterricht wegzunehmen oder werden sich die Gedanken dann nicht darum kreisen, was nun auf dem Gerät alles stattfindet?

Ich habe meine Ausbildung in der IT der Schulen gemacht und dort wurde versucht, Bücher auf Tablets anzuzeigen – das ist NICHT das Nutzen von neuen Medien!

Digitale Tafeln können auch mehr, als nur, dass man mit einem Stift auf ihnen schreiben kann.

Wir waren uns beide einig, dass in der Erziehung viel mehr mit den neuen Medien umgegangen werden muss – als dagegen. Ich bin Informatiker, ich bin neuen Techniken sehr aufgeschlossen, Vater bin ich noch nicht – und auch für mich stellt sich die Frage „Ab wann dürfte/sollte mein Kind mit einem Smartphone oder Tablet umgehen?

In der weiterführenden Schule, in der Grundschule oder gar im Kindergarten?“

Schwierig …

 

Auch über Geflüchtete Familien und Rechtspopulisten haben wir gesprochen. Welch eine Schwierigkeit es ist, Familien, auch familien- und kindgerecht unterzubringen, aber es könnte keine Maßnahme sein, sie einfach an den Grenzen abzuweisen. – Gute Aussage.

 

„Die Politik braucht eine Partei wie die Piraten.“

sagte Frau Kampmann.

Sie berichtete, wie lange sie der Bielefelder SPD in den Ohren lag, dass doch das Thema „OpenGovernment“ vorangetrieben werden müsste. Nun haben die Piraten in Bielefeld eine Koalition mit der SPD und nun ist auch diese für OpenGovernment. An solchen Beispielen könne man sehr gut sehen, dass die Piraten keinesfalls überflüssig seinen und sie wünscht uns als Partei, dass wir uns endlich zusammenraufen und durchstarten, denn aktuell, so kommt es ihr vor, seinen wir im Winterschlaf.

Tja, ganz von der Hand zu weisen ist diese Aussage nicht :/

 

Am Ende

Es gab genug Themen, bei denen wir viele leider nur ganz oberflächlich anschneiden konnten. Eine halbe Stunde ist nicht viel Zeit.

Es war ein sehr angenehmes und tolles Gespräch.

Auch an Frau Kampmann die Frage zum Schluss – „Macht es Spaß?“

„Ja, auch wenn es sehr stressig geworden ist. Hier im Landtag ist es aber viel spannender, es gibt eine richtige Opposition und als Ministerin kann man richtig was bewegen – und deswegen sind wir ja alle in der Politik – um etwas zu bewegen!“

Sie lachte und wir verabschiedeten uns.

 


 

 

Das waren sie nun, die vier Gespräche mit Politikern der SPD. Leider haben sonst keine weiteren Politiker anderer Parteien einen Termin mit mir machen wollen. Bei dem Ortsverband der Linken war ich auf dem Stammtisch eingeladen, das werde ich aber getrennt behandeln 🙂

 

Ich habe sehr viel mitgenommen, wie wir Piraten von Politikern der SPD gesehen werden und was sie über uns denken.

Die Treffen galten keiner Bitte, Forderung oder einer Oppositionspolitik, sondern war ein Treffen auf persönlicher Ebene, um sich mal kennen zu lernen.

 

Besser laufen muss jedoch, meine Kommunikation zur Fraktion in dieser Sache – ich hatte einfach nicht daran gedacht, die Fraktion darüber zu unterrichten, dass ich mich mit einem MdL und einer Ministerin treffe – sowas kann ganz schnell nach hinten losgehen.

 

In vier Gesprächen habe ich viel gelernt 🙂