Background zum Interview mit der Bundeswehr auf der Gamescom

20. August 2016

Auch dieses Jahr war die Bundeswehr wieder auf der Gamescom.

Wie auch in den Vorjahren, ist der Messestand der Bundeswehr sehr umstritten. Der Stand wurde von extra Security mit Hunden gesichert.

Einerseits wettert die Bundesregierung gegen sog. „Killerspiele“ und stellt dann auf der anderen Seite echtes Kriegsgerät und echte Soldaten zur Schau – World of Tanks oder Battlefield konnten bisher nie damit aufwarten.

Des Weiteren muss auch Kritik daran erlaubt sein, dass die Bundeswehr Jugendliche früh an den realen Krieg heranführt – eine Alterskontrolle gibt es auf diesem Stand nicht, anders als bei den Shootern, welche ausgestellt werden.

Gewiss gibt es noch viel mehr Kritikpunkte, und auch Punkte, warum es moralisch verwerflich sein kann. Ich möchte aber von dem Interview berichten, welches ich mit der Pressesprecherin führen konnte.

 

 

Wir kamen ohne Anmeldung auf den Messestand der Bundeswehr und bekamen schnell den Kontakt zur Pressesprecherin – Andere Aussteller können sich davon eine Scheibe abschneiden.

Nach einer kurzen Vorstellung meiner Person und den Interviewthemen durfte ich Platz nehmen, es wurde Wasser und Schokolade gereicht.

Sofort wurde ich von ihr darauf angesprochen, dass wir Flyer über die Bundeswehr verteilen, dass aber alles natürlich von der freien Meinungsäußerung abgedeckt sei und man das auch respektiere.

Nachdem ich meine Daten notiert hatte, verschwand die Pressesprecherin in einen Raum – es erfolgte eine Überprüfung, ob uns ein Interview gegeben werden darf und wenn ja, von wem.

Dabei ging es nicht darum, uns grundsätzlich keine Äußerung zu geben, sondern vielmehr darum, ob das Personal auf dem Messestand für die potentiellen Fragen von uns, ausreichend geschult sei.

Die ganze Überprüfung dauerte ca. 30 Minuten und ergab, dass uns die Pressesprecherin ein Interview geben dürfe.

 

Wir besprachen nun die Themen etwas genauer, und hörte von ihr, dass wenn es Fragen sind, welche sie nicht beantworten könne oder dürfe, dann wird sie das sagen – das Interview wird aber von ihrer Seite nicht abgebrochen werden.

 

Die Bundeswehr hat dieses Jahr seinen Stand sehr explizit auf das Thema „Digitale-(Streit)kräfte“ gelegt. Laut Ursula von der Leyen cybert es ja aus allen Rohren.

 

Dabei gliederte ich das Interview wie folgt:

 

Ich bin kein Journalist und wollte nicht pseudo-investigative Fragen stellen, sondern jeder soll sich sein Bild selber malen können, ich möchte es nicht vorgeben.

 

Die ersten 11 Minuten des Interviews liefen auch ziemlich gut und flüssig, als wir jedoch zum Thema „Cyberwar“ kamen, musste ich immer wieder meine Fragen umstellen, oder wir haben vorher Antwortmöglichkeiten besprochen.

Kurze Erklärung …

 

So überraschte es mich sehr, dass es quasi bisher noch keine Cyberabwehr gibt – bzw. viele grundsätzliche Entscheidungen dazu noch nicht gefallen sind.

 

Es ist noch nicht definiert, was (Cyber-)Terrorismus ist, bzw. Solcher, ab wann die Bundeswehr einschreiten darf.

 

Es ist nicht geklärt, wie es mit dem Kriegsrecht vereinbar ist, wenn zivile Infrastruktur „angegriffen“ wird.

 

Auch ist noch nicht geklärt, ob, wenn ein „Cyberanschlag“ im Inland verübt wurde, die Bundeswehr dann tätig werden darf/soll.

Zu all diesen Sachverhalten konnte uns die Dame natürlich nur Antworten, dass es sich aktuell in der Klärung befinden – und genau das besprachen wir. Dass wenn sie keine Antwort hat, sie das auch gerne einfach so sagen darf.

 

Im Grunde sucht die Bundeswehr Sysadmins und Programmierer, welche sich um die Infrastruktur der Bundeswehr selber kümmern.

Die großen Banner und Plakate mit Cyberterrorbekämpfung seien

– Zitat: „… Marketing …“.

 

Der letzte Part, war dann wieder sehr flüssig – weil unproblematisch.

 

Nach dem Interview konnten wir noch etwas mit der Dame sprechen, und sie wird uns die Kontakte zu den juristischen Stellen der Bundeswehr vermitteln, damit wir dort die gesuchten Antworten nach dem Thema „Cyberabwehr“ erhalten.

 

Das Interview werden wir zusammenschneiden und wahrscheinlich mit einer Länge von 11 – 15 Minuten veröffentlichen.

Die Unterbrechungen, werden wir herausnehmen. Brisantes wurde hier nicht besprochen, sondern sowohl meine Fragen, als auch ihre Antworten in eine flüssige Form gebracht.

 

Alles in allem bin ich persönlich mit dem Interview zufrieden, aber schon wenige Minuten danach, sind mit Fragen eingefallen, welche ich hätte eigentlich noch stellen können. – Aber so ist das Leben.

 

Urteilt also selbst, wenn das Interview Anfang der Woche auf dem YouTube-Kanal erscheint.

 

Update:

Mittlerweile ist das Video hochgeladen und jeder kann sich selber ein Bild machen