Ohne Pause nach Amsterdam

26. August 2020

Vom Montag den 17.8. auf Dienstag den 18.8.2020 ging es mit dem Rad von Köln nach Amsterdam.

Die Reise von 267km dauerte ca. 23h und ich war, laut Runtastic, 18h in „Bewegung“.

Mein Vorhaben war es, „ohne Pause“ nach Amsterdam zu kommen. Das bedeutet ohne Ruhepausen oder Übernachtung.

Natürlich muss ich an Roten Ampeln halten oder mal auch Essens- oder Toilettengänge machen, welche unter 20 min lagen – also das übliche. Die App war so eingestellt, dass sie automatisch pausierte, wenn ich mich nicht signifikant bewegte – z.B. an Ampeln. Daher unterscheiden sich die Reisezeit von der Fahrtzeit.

Dann noch etwas – am Montag um ca. 21Uhr gab es eine Schiedsgerichtsverhandlung seitens der Partei, bei der ich beiwohnen musste, so, dass ich mein Rad in dieser Zeit nur schieben konnte – Runtastic zählte die Zeit natürlich weiter. – Ich gehe davon aus, dass mir dadurch ca. 1,5h Verzögerung untergekommen sind.

Soweit nun also der Rahmen ….

Das Leid…

Klingt jetzt alles locker – war es nicht!

Ich bin kein Radfahrer, der einem starken Training unterliegt – wenn ich von Köln nach Bonn und wieder zurück fahre, dann mach ich das auch nur bei schönen Wetter 😊 und merke am Abend durchaus, dass ich „etwas gemacht habe“.

Wiederum stellen Strecken von 80km für mich aber auch kein Problem dar – der Streckenuntergrund ist mir dabei nicht so wichtig. Straße, Schotter oder Waldweg sind mir egal – einem Rennradfahrer würde es da anders gehen.

Als ich am Montagmittag losfuhr war das Wetter ok – es war sonnig, aber nicht heiß.

Die ersten 140km gibt es eig. nichts Weltbewegendes zu berichten. Fahrt übers Land, Fahrt durch Städte, Fahrt in die Nacht hinein und schließlich – Fahrt über die Grenze in die Niederlande.

Vor ziemlich genau sieben Jahren bin ich die Strecke in ähnlicher Form schon mal gefahren.

Und ich wusste, dass es zwei „Gegner“ gibt. Einmal einen Nationalpark (Het Nationale Park De Hoge Veluwe) und einmal einen großen Deich 40km vor Amsterdam.

Wenige Kilometer nach der Grenze

Nach ca. 150km beschwerte sich mein Körper zunehmend, dass es doch mal Zeit für eine länger Ruhepause sei. Die Knie schmerzten zunehmend und ich konnte nicht mehr die Kraft investieren, welche ich gerne wollte. Leichte Steigungen fielen immer schwerer.

Weil es mitten in der Nacht war, schlich sich zusätzlich zur Erschöpfung auch noch Müdigkeit ein – und ich wusste, dass mir der herausforderndste Teil noch bevorstehen wird.

Nach ca. 160km erreichte ich den Nationalpark.

Außer dem eigenen Licht am Fahrrad und dem Sternenhimmel bleib es für eine Fahrtzeit von ca. 1,5h komplett dunkel. Zusätzlich zur Dunkelheit gibt es aber auch noch die Kälte. Die Nacht war gut vorangeschritten, die Temperaturen auf dem Tiefstwert von ca. 14 Grad. Zusätzlich war die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass ich einerseits nur ca. 20 Meter Sicht hatte, aber auch innerhalb von 30min komplett durchnässt war – klitsch nass.

Dunkelheit, Nässe, Kälte, Erschöpfung, Müdigkeit machen die Fahrt in Verbindung mit Durst und Hunger zu einer unglaublich zermürbenden Fahrt – über Stunden. Die Muskulatur verkrampfte, die Glieder waren kalt und der Verstand nahm alles wie durch einen Schleier wahr.

Das Glück und die Freude nach dem Nationalpark so etwas banales wie die ersten Orte zu sehen, als auch am Horizont die Dämmerung wahrzunehmen ist dann unbeschreiblich.

Um ca. 8:30 erreichte ich den 26km langen Deich, welcher sich am Eemmeer und Doimeer befindet. Die Sonne verdrängte den Nebel der Nacht.

Die Strecke am Deich entlang ist mit grobem Asphalt belegt und enthält keinerlei Steigungen.

Jedoch zehrt der starke Gegenwind an den letzten vorhandenen Kräften. Die Strecke, welche normalerweise in 1,5h abgefahren sein sollte, zieht sich über stunden. Die Knie schmerzen und es fühlt sich so an als würde man nicht vorankommen.

Als ich dann Amsterdam endlich erreichte liefen mir dann schon die Tränen vor Freude. Wann freut man sich heute noch so sehr irgendwo angekommen zu sein?

Ich schob mein Fahrrad zum Bahnhof setzte mich in den Zug und führ wieder nach Hause 😊

Aber Warum?

Es wäre doch total angenehm das alles innerhalb von zwei Tagen mit einer schönen Übernachtung zu machen. – Stimmt, das wäre angenehmer, aber das sollte es eben nicht sein 😊

Da ich alle Dinge, welche ich bei mir hatte, in einem Rucksack auf meinem Rücken verstaute, konnte ich nicht groß etwas zu trinken oder essen mitnehmen.

Problemen, auf die ich bei der Fahrt stoße, muss ich eben auch begegnen und versuchen zu lösen. Dazu zählen aber nicht nur, dass der Sattel hätte etwas bequemer sein können, sondern auch ein Entzug der grundlegendsten Bedürfnisse.

Des Weiteren musste ich unglaublich vorrausschauend mit Ressourcen umgehen. Essen und Trinken müssen gut eingeteilt werden, wie aber auch die körperlichen Ressourcen.

Insgesamt sollte es eine Grenzerfahrung sein – sowohl physisch wie auch psychisch.

Also nächtes Jahr dann wieder? – Ich denke nicht. Ich glaube, dass ich es nochmal machen werde, dann mit dem Anspruch etwas schneller zu sein.